Freitag, 20. Juni 2008
Auch DLGI Schulstudie offenbart Handlungsbedarf
56 Prozent der Deutschen halten ihre Computer-Kenntnisse für befriedigend oder besser. Dies zeigt eine Studie, die das Meinungsforschungs-Institut dimap im Auftrag der DLGI durchgeführt hat. Gleichzeitig erklärten 44 Prozent der Deutschen, dass sie noch nie an einer Computer-Schulung teilgenommen haben. Gerade 35 Prozent haben in den zurückliegenden fünf Jahren an einem IT-Kurs teilgenommen und lediglich 21 Prozent haben ihre Kenntnisse mit einer Prüfung nachgewiesen.
„Geht es um IT-Kenntnisse, werden wir regelmäßig mit einer ‚gefühlten Kompetenz’ konfrontiert“, erläutert DLGI-Geschäftsführer Thomas Michel die Ergebnisse der Umfrage: „Die Mehrzahl der Menschen behauptet zwar, mit dem Computer umgehen zu können, fragt man aber genauer nach, stellt sich heraus, dass damit das gelegentliche Surfen im Internet oder auch nur der Einsatz von Computerspielen gemeint sind. Dies ist umso bedauerlicher, als solide IT-Kenntnisse die Grundlage für den beruflichen Erfolg und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sind.“
Die Studie von dimap zeigt auch, dass eine positive Einschätzung der eigenen Computerkenntnisse in hohem Maße vom Alter abhängig ist: Während sich die 18- bis 29-jährigen die Durchschnittsnote 2,4 geben, benoten sich die über 60-jährigen mit einer schlechten „Vier-Minus“ (4,7). Fast ebenso ausschlaggebend ist die Schulbildung der Befragten. Abiturienten erteilen sich selbst die Durchschnittsnote 2,7, bei den Abgängern von Volks- und Hauptschulen kommt die Note 4,3 heraus.
Defizite in betrieblicher Aus- und Weiterbildung
Dabei sind IT-Kenntnisse immer wichtiger für den beruflichen Erfolg. Infratest dimap befragte Personalverantwortliche in über 500 Unternehmen aller Größen. Nur 37 Prozent der Personalentscheider gaben an, dass IT-Kenntnisse in ihrem Unternehmen nicht benötigt würden. Hier handelte es sich vorwiegend um kleine Handwerksbetriebe.
Ob die geforderten IT-Kenntnisse auch im Unternehmen erworben werden können, hängt wesentlich von der Unternehmensgröße ab: 87 Prozent der Unternehmen mit 500 und mehr Mitarbeitern bieten ihren Mitarbeitern Computer-Schulungen an; bei Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeitern sind dies lediglich 36 Prozent.
Doch auch wo diese Schulungen und Kurse angeboten werden, sind diese nur selten zielgerichtet. Nur 23 Prozent der von Firmen angebotenen Fortbildungsmaßnahmen enden mit einer unabhängigen Prüfung.
„Hier haben viele Firmen noch nicht das Bewusstsein für unabhängige und vergleichbare Standards entwickelt“, urteilt DLGI-Geschäftsführer Thomas Michel. „Die überwiegende Mehrzahl der IT-Schulungen bezieht sich auf intern eingesetzte Systeme. Wer aber von seinen Mitarbeitern eine hohe Flexibilität erwartet, muss ihnen auch die Grundlagen dafür bieten.“
Handlungsbedarf auch an den Schulen
Parallel zur dimap-Studie befragte die DLGI über 1.200 Schulen aller Schulformen im gesamten Bundesgebiet zu den Rahmenbedingungen des Informatik-Unterrichts. Auch hier wurden erhebliche Mängel deutlich: Ein Drittel (34%) der befragten Schulen gab an, dass der Informatik-Unterricht von fachfremden Lehrkräften erteilt wird, und mehr als zwei Drittel (68%) erklärten, dass die Materialien für den Informatik-Unterricht im Kollegium selbst erstellt wurden.
Kaum besser ist es um die Ausstattung der Schulen mit Hard- und Software bestellt: 97 Prozent der befragten Schulen arbeiten mit veralteten Betriebssystemen – das aktuelle Windows Vista kommt in keiner der Schulen zum Einsatz – und nahezu 90 Prozent (88%) setzen im Informatik-Unterricht veraltete Anwenderprogramme ein.
„Hier bleiben bemerkenswerte Potenziale ungenutzt“, erläutert Michel. „Aus unabhängigen Untersuchungen wissen wir, dass Schüler, die über ein international anerkanntes und unabhängiges Zertifikat ihrer IT-Kenntnisse verfügen, signifikant höhere Chancen haben, einen Ausbildungsplatz zu finden, und auch an der Universität schneller Erfolg haben.“